Lese-Rechtschreib-Institut

Diagnose - Beratung - Training

 

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Wissenschaftliche Projekte

Entwicklung eines Rechtschreibtests

MORPHEUS

      Evaluierung eines Grundwortschatz-Segmentierungstrainings unter Berücksichtigung

      neurowissenschaftlicher Methoden

 

Der Verein führt gemeinsam mit dem Institut für Psychologie an der Universität Graz laufend Forschungsprojekte zum Thema Lese- Rechtschreibschwäche durch. Am LRSI wurde ein computergestütztes Grundwortschatz–Segmentierungstraining entwickelt, das wissenschaftlich evaluiert wurde.

Das Design


Legasthene Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 14 Jahren unterziehen sich einem 2-3 wöchigen Intensivtraining. Überprüft wird, ob die zu erwartende Leistungssteigerung als Folge des Trainings auch mit Veränderungen neurophysiologischer Parameter im EEG einhergeht.

 

Die Erkenntnisse über psychologische und neurowissenschaftliche Aspekte der Lese/Rechtschreibschwäche sowie Befunde über neurophysiologische Veränderungen als Folge gezielter Trainings sollen bei der Entwicklung und Optimierung neuer bzw. bestehender Lese-Rechtschreibtrainingskonzepte herangezogen werden und so zur Qualitätssicherung beitragen.

 
MORPHEUS – Das Trainingsprogramm

Das Grundwortschatzsegmentierungstraining besteht aus drei Teilen:

 

1. Grundkurs, der 10 Einheiten Anwesenheitsphase beinhaltet,

2. Computerprogramm sowie

3. Skriptum zur Hausarbeit.

Eines der wichtigsten Grundprinzipien der deutschen Orthographie ist das Stammprinzip. Damit ist gemeint, dass stammverwandte Wörter wie z.B. fahren und Fähre gleich geschrieben werden, weil sie vom selben Grundwort abgeleitet sind. Eine Vielzahl von Wörtern im Deutschen wird gebildet, indem zum Wortstamm Vor- bzw. Nachsilben hinzugefügt werden (Morphematisches Prinzip).

Morpheus erarbeitet dieses Wortbildungsmaterial systematisch. Wörter erscheinen nicht mehr als undurchdringbare Buchstabenkolonnen sondern werden in Vor- und Nachsilben bzw. Wortstämme zerlegt. Das Rechtschreibtraining wird insgesamt übersichtlicher strukturiert und verläuft zeitökonomischer.

 

Der grundlegende Wortschatz des Trainings basiert auf einer empirisch erhobenen Wortliste, der für die 4. Klasse Volksschule ermittelt wurde. Eine Verbesserung der Rechtschreibleistung wird durch diesen Transfer auch bei Wörtern erreicht, die nicht im vorliegenden Grundwortschatz vorkommen. Durch das Üben weniger Regeln und Prinzipien können sehr viele Wörter richtig geschrieben werden. Das Programm enthält abwechslungsreiches Spiel- und Übungsmaterial zu den zentralen Rechtschreibbereichen.


Die Ergebnisse

Die Effektivität des Trainings wurde in Kooperation mit dem Institut für Psychologie der Karl Franzens Universität Graz in einem Vor- und Nachtest-Design ermittelt. Im Vergleich zu den getesteten Kontrollgruppen konnten jene Kinder und Jugendlichen, die am Training teilnahmen, ihre Rechtschreibleistungen signifikant verbessern, und die positiven Effekte des Trainings wurden in allen untersuchten Altersgruppen (von der 3. bis zur 8. Schulstufe) sichtbar.

Ein Projekt der Initiative Gehirnforschung

Institut für Psychologie, Abteilung für Differentielle Psychologie

Beteiligte Institutionen/Personen:

 

Institut für Psychologie, Abteilung für Differentielle Psychologie
Mag. Dr. Andreas Fink

Silvana Weiss

Prof. Dr. Aljoscha Neubauer
 

Verein zur Förderung legasthener Menschen

Mag. Dr. Reinhard Kargl

Mag. Christian Purgstaller


Entwicklung eines Rechtschreibtests

Diagnostik bei LRS

Die Diagnose bei Problemen im Schriftspracherwerb stellt einen wesentlichen Faktor in der Förderung dar. Ein gezieltes Training baut schließlich immer auf die Ergebnisse der Eingangsdiagnostik auf. Die Abtestung der orthographischen Fähigkeiten durch normierte Tests sollte mittlerweile Standard sein. Dennoch gibt es einige Dinge, die man in diesem Zusammenhang bedenken sollte:

Viele Tests wurden für den Bundesdeutschen Sprachraum entwickelt und entsprechen nicht unbedingt unserer österreichischen Varietät. Davon zeugen die Wörter „Quark“ oder „doof“.

Sowohl der zu Grunde liegende Wortschatz als auch die Normierung sollte zeitgemäß und nicht veraltet sein.

Schwierigkeiten ergeben sich häufig auch aus der Tatsache, dass die Vergleichbarkeit von Tests schulstufenübergreifend nicht immer möglich ist und so eine Zusammenschau erschwert wird.

Um Leistungsfortschritte adäquat messen zu können, müssten auch normierte Parallelformen vorliegen. Wir wissen aus der Praxis um die Wichtigkeit geeigneter diagnostischer Verfahren. Deshalb wollen wir im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts und in Kooperation mit der Universität Graz einen Rechtschreibtest entwickeln, dessen Wortschatz in Bezug auf Varietäten des Deutschen neutral gestaltet.

Beteiligte Institutionen/Personen:

Institut für Psychologie, Abteilung für Differentielle Psychologie
Mag. Dr. Andreas Fink
Mag. Barbara Melde

Prof. Dr. Aljoscha Neubauer

 

Verein zur Förderung legasthener Menschen

Mag. Dr. Reinhard Kargl

Mag. Christian Purgstaller


 
 
Preise und Auszeichnungen
Mag. Silvana Weiss erhielt am 9. April 2008 den Apuleius-Preis als Auszeichnung für die beste Diplomarbeit!

Am 8. April 2008 präsentierten in der Aula der Uni Graz fünf junge Psychologinnen ihre Diplomarbeiten im Rahmen des großen Finales zum Apuleius-Preis. Der Wettbewerb, von der Studierenden-Plattform "Psynex" ins Leben gerufen, fand heuer zum ersten Mal statt. Über die Auszeichnung für die beste Diplomarbeit, dotiert mit 1.000 Euro, konnte sich Mag. Silvana Weiss freuen.

Die fünf Besten (v.l.): Maria Fally, Constanze Buchegger, Siegerin Silvana Weiss, Mareike Kreisler, Marisa Loitfelder

 

Die fünf Besten, die am 8. April 2008  ihre Arbeiten in einer jeweils zehnminütigen Präsentation vor zahlreichen KollegInnen vorstellten, waren zuvor von einer Fachjury des Instituts für Psychologie aus insgesamt zwölf Einreichungen ausgewählt worden. Beim Finale beurteilte eine weitere sechsköpfige Jury aus ProfessorInnen des Instituts den Vortrag und die Art der Präsentation und kürte daraufhin die Siegerin: Mag. Silvana Weiss überzeugte mit ihrer souveränen und interessant lebendigen Vorstellung ihrer Diplomarbeit zum Thema "Training bei Lese- und Rechtschreibschwäche: Effektivitätsüberprüfung eines computergestützten Grundwortschatz-Segmentierungs-Trainings auf Morphem-Basis bei Kindern und Jugendlichen".

Preisverleihung INGE St. Forschungspreis 2009 

Um hervorragende Leistungen auszuzeichnen und in verstärktem Maße zu wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiet der Gehirnforschung anzuregen wurde auch im Jahr 2009 von der Initiative Gehirnforschung Steiermark - INGE St. ein Forschungspreis in der Höhe von insgesamt € 3.000,- ausgeschrieben.

Gefördert werden wissenschaftliche Arbeiten (Publikationen, Dissertationen, Diplomarbeiten) von jungen steirischen Forscherinnen und Forschern, die den Erkenntnisstand der Gehirnforschung erweitern.
Einreichungen aus allen Fachrichtungen werden berücksichtigt. Wichtige Kriterien für die Preiswürdigkeit sind Innovation und Interdisziplinarität!

In diesem Jahr ging der Preis an Mag. Nadja Kozel (Diplomarbeit), Mag. Ingrid Kratzer (Publikation), DI Dr. Robert Leeb (Dissertation) und Priv.-Doz. Dr. Andreas Fink (Publikation). Im Rahmen einer Preisverleihung, am 18. März 2009 im Zentrum für Weiterbildung, stellten die PreisträgerInnen ihre Arbeiten dem interessierten Publikum vor.

Robert Leeb, Nadja Kozel, Christa Neuper und Andreas Fink (v.l.);
nicht im Bild: Preisträgerin Ingrid Kratzer

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